Wir besitzen seid ein paar Monaten einen Opel Corsa-e. Ein tolles Auto für die kurzen Strecken meiner Frau. Um den Akku des Corsas zu schonen laden wir diesen immer nur bis 80 oder 90 Prozent.

Am Anfang haben wir das über die App gemacht. Da diese aber nicht sonderlich gut funktioniert und man es darüber so oder so auch nur manuell machen kann, habe ich mich nach einer besseren Lösung umgeschaut.

Als Wallbox nutzen wir zwei Easee Home, die in Reihe an einer Sicherung angeschlossen sind. Eine PV Anlage haben wir bis jetzt nicht. Für das Setup ist dies aber zweitrangig.

Zur Steuerung der Ladung und Limitierung auf einen bestimmten Wert kommt EVCC zum Einsatz. Hier wird das Auto und Wallbox konfiguriert. Zusätzlich nutzen wir eine Funktion von EVCC, die es ermöglicht den Ladestand zu “schätzen”. Da die Opel API keine Updates des Ladestatus während des Ladens übermittelt, können wir so voll automatisch auf unseren gewünschten SoC laden.

EVCC an sich ist kostenfrei. Wenn man aber Features wie die Easee, Go-E V3 oder auch Tronity Unterstützung nutzen möchte, dann benötigt man einen sogenannten Sponsor-Token, den man gegen eine kleine monatliche Spende an den Entwickler bekommt.

Installation

Die Installation von EVCC ist einfach, wenn man sich ein wenig mit Linux auskennt. Am einfachsten funktioniert dies z.B. auf einem Raspberry Pi. Bei mir läuft EVCC auf einem Raspberry Pi Modell B+ sehr flüssig.

Zur Installation hat das Team von EVCC eine gute Dokumentation auf Ihrer Seite zur Verfügung gestellt: https://docs.evcc.io/docs/installation/manual#linux

Die Basisinstallation ist eigentlich mit zwei Zeilen erledigt:

cd ~ && wget https://github.com/evcc-io/evcc/releases/download/0.68/evcc_0.68_linux_arm64.tar.gz

sudo rm -f /usr/local/bin/evcc* && sudo tar xvfz ./evcc_0.68_linux_arm64.tar.gz -C /usr/local/bin/

Mit which evcc und evcc -v kann man nun überprüfen, ob es erfolgreich installiert wurde.

Falls Ihr das ganze als Service laufen lassen wollt, damit EVCC automatisch neu gestartet wird, dann folgt dazu der verlinkten Anleitung.

Konfiguration

Nun müssen wir die Konfigurationsdatein evcc.yaml entsprechend anpassen. Eine Beispielkonfiguration könnt Ihr hier herunterladen.

Konfiguration ohne PV & Meter (optional)

Wenn Ihr keine PV Anlage und Meter habt, dann muss man EVCC ein bisschen was “vorspielen”. Dies kann man einfach über eine Änderung der Konfiguration erreichen.

meters:
-
name: gridmeter # Name des Zählers. Falls du diesen änderst, site-Konfiguration auch anpassen.
type: custom # Typ des Zählers
power:
# Wir simulieren die Leistung über ein Shellscript, das 1000 Watt zurückgibt.
# Positive Werte bedeuten einen Strombezug im Netz.
type: script
cmd: /bin/sh -c 'echo 1000'

Ladelimit

Über die Weboberfläche kann man nun einfach das gewünschte Ladelimit setzen. Da EVCC den SoC Wert über die Ladezeit berechnen muss, wird es nie genau diesen Wert treffen. Aber es funktioniert so genau, dass es voll ausreichend ist.

Der dafür verantwortliche Schalter ist dieser:

estimate: true # set true to interpolate between api updates

Außerdem kann man über die Konfiguration einen Standardwert setzen:

target: 80 # always charge to 80%

Zusammenfassung

Für eine automatisches Ladelimit bietet EVCC eine gute Lösung, die für viele Wallboxen auch kostenfrei ist. In meinen Setup mit zwei Fahrzeugen funktioniert auch der Lastenausgleich problemlos.

EVCC wird immer weiter entwickelt und das Team arbeitet derzeit auch an einem Wizard, der die Inbetriebnahme noch einfacher macht. Aus meiner Sicht wäre eine grafische Oberfläche zur Administration großartig und würde auch mehr Benutzer zur Nutzung motivieren.

Der Service läuft aber sehr stabil und benötigt, wenn er einmal konfiguriert ist keine weiteren Eingriffe.

Eine Übersicht anderer Lösung zum PV Überschussladen habe ich hier zusammengefasst.

Von admin